Simone Schulz Kunst: Torso (Ton)

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Künstlerportrait Simone Schulz.

Kunst muss anecken“, so sieht das Simone Schulz. Ihre Werke rütteln wach, transportieren Botschaften. Die Künstlerin aus Untermarchtal bei Munderkingen malt, modelliert oder meißelt Skulpturen aus Stein. Sie traut sich, auch mal den Rahmen zu sprengen.

So zeigt beispielweise ihre grau in grau-Malerei in der Cafeteria des Tübinger Zeicheninstituts bis 17. November ganz authentisch und gänzlich ungeschönt die Lebenswirklichkeit auf Baustellen. Staub, Dreck und Lärm aber auch „praktisch motivierte Herzlichkeit“, kann der aufmerksame Betrachter in den Gemälden finden. Schulz verarbeitet darin reale Szenen, die für sie als Restaurateurin auf dem Bau zum Alltagsgeschäft gehören.

Raue Baustellenwirklichkeit und anspruchsvolle Kunst? „Man braucht keine Toskana, um kreativ zu sein, genau hier fängt´s an“, erklärt Schulz ihre Liebe zum Detail. „Alles, was ich erlebe, setze ich künstlerisch um“, lacht die 50-Jährige. Und sie ist sich sicher: Vielen Menschen hat die Bilderflut der Medien längst die Sinne verstopft. Die Fähigkeit, genau hinzuschauen, geht verloren und damit die Achtsamkeit für einfache Dinge.

Genau das lernte Simone Schulz von ihrem Vater im heimischen Biberach. Hinschauen und beobachten. Der Vater vermittelte ihr Grundbegriffe beispielsweise der Luftperspektive und hinterließ wertvolle Fotografien. Die leidenschaftliche Naturbetrachterin erinnert sich gerne an einen älteren Zeichenlehrer im Kunstleistungskurs, der die Toleranz mitbrachte, die Eigenwilligkeit und Eigenständigkeit der ambitionierten Schülerin zu erkennen und zu verstehen. Gleichzeitig konnte er ihren ungestümen Drang liebevoll bändigen: „Nein, das ist am Thema vorbei, das ist kein Impressionismus, das ist Simone Schulz.” Ansons­ten wurde sie geprägt vom Ansinnen vieler Erwachsener, junge Menschen in ein Schema pressen zu wollen. „Erbärmlich“, stößt Schulz beim Gedanken daran hervor. Schablonendenken ist ihr ein Graus. Deshalb erarbeitete die Querdenkerin ihr Konzept für die freie Jugendkunstschule in Riedlingen, die sie 2005-2008 führte, nach den Erfahrungen, die sie selbst als Schülerin gesammelt hatte. Und so lehrt sie auch heute in Workshops Kinder und Erwachsenen, den Blick zu öffnen, trainiert mit ihnen Dinge zu betrachten und aufs Blatt zu übertragen und nicht zuletzt den Prozess, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen. Ihr Projekt „Landschaft entdecken“ im ehemaligen Truppenübungsplatz vermittelt den Teilnehmern via Zeichenstift eine achtsame Annäherung an die Natur: Still und leise. „Im Angesicht der Gottesschöfpung kann man auch mal das Maul halten“, poltert die Künstlerin plötzlich in waschechtem Schwäbisch. Simone Schulz hat Ecken und Kanten, ist ab und an unbequem – wenn sie sich kritisch zu Wort meldet. Eine streitbare Künstlerin, die wortgewaltig und engagiert im Biosphärengebiet nicht nur eine biologische Diversität fordert, sondern auch eine kulturelle Vielfalt. Will heißen, sie wünscht sich von Verantwortlichen den Mut, Neues zu wagen, nicht nur nach Altbewährtem zu greifen, sondern vielen verschiedenen Künstlern eine Plattform zu bieten.

Einen regelmäßigen Ausstellungsort für ihre Werke hat Simone Schulz in der Galerie Art & Deco in Metzingen gefunden. Von Anfang März bis Ende April sind ihre Arbeiten auch im Biosphärenzentrum im Alten Lager in Münsingen zu sehen. Thematisch sind sie auf das Biosphärengebiet abgestimmt, sei es durch das Material (Plastiken aus Böttinger Mamor, Gauinger Travertin) oder die Motive selbst. Landschaftsaquarelle etwa, die Farben, Strukturen, Details des ehemaligen Truppenübungsplatzes zeigen. Einen größeren Bogen spannen die griechischen Mythen, die Schulz in ihren Bildwelten verabeitet. Sie gehören dazu, ziehen sich als roter Faden durch ihr Leben, prägen ihre Arbeiten. Die Faszination der griechischen Kultur, das helle Licht, die Musik, die Menschen und die unwahrscheinliche Macht der griechischen Antike erfasste Schulz schon als Studentin und später bei einer Bildungsreise. Momentan beschäftigt sich die vielseitige Künstlerin mit Objekten aus Textilbeton. Einen gewaltigen und gleichzeitig filigranen Vogel mit einer Spannweite von zwei Metern hat sie in Leichtbauweise mit einer Glasfaserarmierung geschaffen.

Leicht ist dagegen das Auskommen der Untermarchtalerin als Künstlerin nicht. Vehement stemmt sie sich gegen den „inflationären Gebrauch des Begriffs Kunst“. Nicht zuletzt deshalb, weil eine Flut von Hobbykünstlern Kurse „strickmusterartig nach Schema F“ günstig anbieten. „Kunst ist das nicht und es macht die Preise kaputt“, kommentiert Schulz das Massen-Phänomen.

Manches Vorhaben braucht Zeit und entsprechende Rahmenbedingungen – wie etwa Schulzes Traum, eine Jugendkunstschule im Biosphärengebiet aufzubauen. Noch liegt das nicht in greifbarer Nähe – aber locker lässt sie nie.

Zum Kunstwerk:

Ich schaffe sehr gerne nach Auftrag neue Plastiken dieser Art. Aus einer "Fingerübung" entsprang dieser Körper einer Tänzerin: Torso.